Linne van Sythen: „Wenn du mich endlich liebst“

Liebe, Intrigen, Lügen

Linne van Sythen: „Wenn du mich endlich liebst“

Titel: „Wenn du mich endlich liebst“
Autor: Linne van Sythen
Verlag: bookshouse (erschienen: 10. Januar 2017)
Taschenbuch: 449 Seiten
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-9963-53-781-5
Preis: 14,99 € €
Bestellbar: hier

Klappentext: Als Annas Baby stirbt, sie ihren Mann beschuldigt und sich trennt, gesteht Bardo ihr endlich seine Liebe. Obwohl er sich rührend um sie kümmert, kann er ihr Herz nicht erobern. Er bedrängt Anna so sehr, dass sie sogar in eine andere Stadt flieht. Bardo folgt ihr heimlich. Weil sie inzwischen mit Mario zusammen ist, wirbt er nicht offensiv um sie, sondern mailt er ihr über eine Internetpartnerschaftsagentur als Thomas. Als Anna ihn tatsächlich treffen will, zögert Bardo. Was passiert, wenn Anna entdeckt, dass Thomas ihr alter Freund Bardo ist? Und muss er Mario nicht erst von ihr wegtreiben? Besessen taktiert Bardo immer gewagter und verstrickt sich in sein Netz aus Lügen und Intrigen. Dabei kommt Anna ihm auch noch auf die Spur. Hat er nun endgültig verloren? Oder kann es für ihn und Anna doch noch die ersehnte große Liebe geben?

Autorin: Linne van Sythen ist das Pseudonym der Autorin Ursula Wohlfart. Sie studierte Soziologie und Pädagogik und veröffentlichte viele Fachbücher. In der Belletristik startete sie mit einem Geschichtenband über Liebesturbulenzen in der Weihnachtszeit und einem Krimi „Zucker auf der Fensterbank“. Die Autorin lebt mit ihrem Mann Paul und ihrer Bernhardinerhündin Paula in einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen. Sie arbeitet in der beruflichen Weiterbildung.

Da ich bekanntlich neugierig bin und vieles hinterfrage, kreisen meine Gedanken nach dem Lesen oftmals noch lange um die Geschichte und deren Ursprung. Vielen Dank an Linne van Sythen, dass sie sich für das interessante Interview bereiterklärt hat:

Woher bekommst du als Autorin die Ideen für deine Romane?

Meist, wenn ich interessante Menschen mit brüchigen Biographien kennenlerne. So entsteht eine Idee für eine Romanfigur, für die mich dann eine Geschichte „anfällt“. Im Kontext meiner Arbeit lernte ich z. B. eine Transsexelle kennen und die Frage „Was ist heute eine Frau, was ist ein Mann?“ ließ mich nicht mehr los. Die Protagonistin meines Psycho-Krimis „Zucker auf der Fensterbank“(Neues Literaturkontor, Münster) wurde also eine Frau, die ihr erstes Leben als Mann gelebt hat.

Aber es kann auch anders sein. Ich wünschte mir schon immer, viel mehr Zeit für meine abendliche Schreibsession neben dem Job zu haben, um meine phantasievolle Seite ausleben zu können. So dachte ich mir eines Tages, wie schön es doch wäre, eine Zwillingsschwester zu haben, die ich an meinen Arbeitsplatz schicken könnte, um den ganzen Tag Zu Hause tolle Geschichten erfinden zu können. So entstand die Idee zu meinem Roman „ Wenn zwei es wagen. (K)ein Liebesroman“ (Ullstein Forever), in dem sich zwei Zwillingsschwestern in einer Druckerei heimlich einen Ganztagsjob teilen. All die Turbulenzen allerdings, die meine Schwestern bei ihrem gewagten Jobsharing erleben und durchleiden – ständige Angst vorm Auffliegen, Liebeskummer, gegenseitiges Misstrauen und letztlich eine Erpressung – würden mich aber selbst den letzten Nerv kosten.

Hast du oder jemand aus deinem Umfeld etwas Derartiges erlebt wie die Protagonisten in deinem Roman „Wenn du mich endlich liebst“?

Teils, teils. Ich bin nie gestalkt worden, ich habe auch keine Kinder. Was ich aber mehrfach in meinem Leben durchlitten habe: an einer Liebe festzuhalten, für die es keine Chance gibt. Dennoch habe ich mich darein verbissen und nicht loslassen können. Gestalkt habe ich nicht. Aber die Realität nicht erkennen wollen (also unerwiderte Liebe), musste ich mir schließlich bitter eingestehen. Insofern ist mir Bardo sehr nahe.

Und Fehler im Liebeshandeln habe ich bei mir oft sehr spät, zu spät erkannt und konnte sie mir und dem Gegenüber gar nicht oder nicht rechtzeitig eingestehen. Insofern steckt auch Biografisches in meinem Roman.

Warum hast du dich für dieses Ende im Buch entschieden?

Nun, ich will das Ende hier natürlich nicht verraten, um potentiellen Leserinnen nicht die Spannung nehmen.

Mein Roman fragt ja danach, ob Verzeihen nicht zum Leben gehört. Und warum das so wichtig für unser Lebens- und Liebesglück ist. Ich möchte Menschen keine Veränderungskompetenz absprechen – und so auch nicht meinen Romanfiguren. Das prägt auch das Ende meines Romans. Da beide Hauptfiguren letztlich zu ihren Fehlern stehen, Einsicht zeigen und für sich neue und andere Wege gehen, können sie einander auch verzeihen. Ohne dabei gleich in einem glückseligen Happy End zu landen. Ich wäre froh, wenn mein Roman dazu anregt, vorschnelle Urteile in Liebesdingen in Frage zu stellen und rüberkommt, dass die Liebe viele Wege gehen kann, wir letztlich im Verzeihen der Liebe vertrauen sollten.

Mich leitet da inzwischen (nach vielen Jahren Lebenserfahrung) ein Spruch von Mahatma Ghandi: „Der Schwache kann nicht verzeihen. Verzeihen ist eine Eigenschaft der Stärke.“ Ich wünschte, ich hätte das eher in meinem Leben begriffen.

Magst du deine männliche Hauptfigur, den Bardo?

Aber ja! Mich langweilt es absolut über „gute“ Helden und „böse“ Gegenspieler zu schreiben. Mich fasziniert es, Charaktere zu entfalten, die beide Seiten haben, eben „gut/sympathisch“ und „böse/unsympathisch“.

In meinem Roman „Wenn du mich endlich liebst“ habe ich also zwei Hauptfiguren kreiert, die besessen und auch skrupellos ein für sie wichtiges Lebensziel verfolgen und sich gegenseitig verletzten und auch andere.

Bardo ist ein kleiner Mann ohne Glück in der Liebe. Der geniale Werbetexter und Opernliebhaber, fern jeglicher Eigenschaften, die einen Frauenheld oder Herzensbrecher ausmachen, will endlich seine geliebte Anna als Lebenspartnerin gewinnen. Dabei verheddert er sich – liebevoll und besessen – in seine gewagten Strategien, bis hin zum Stalking.

Mein Bardo, ein Mann, der sich in der Liebe verrennt, handelt sehr wohl verletzend, überheblich und grenzüberschreitend. Aber dabei bleibt er durchaus ein sympathischer Kerl, der sich auch selbstkritisch in Frage stellen kann. Immer wieder unterstützt und hilft er Anna und ihrer Tochter. Und das sehr liebevoll. Sogar für Mario, seinen Rivalen, entwickelt er Mitgefühl und berät ihn, steht auf seiner Seite. Sein vielschichtiges Verhalten ist für mich ja so faszinierend, und ich hoffe auch für meine Leser/-innen. Er verfolgt zwar seine Ziele – so wie wir es wohl nicht tun würden – handelt aber immer wieder als mitfühlender Mensch, ja gar als Freund.

Wenn du ein Projekt beendet hast, fühlst du dich. …?

Zwiespältig. Es ist ein tolles Gefühl, einen Roman beendet zu haben. Erst recht, wenn ihn dann auch ein Verlag will und veröffentlicht. Aber ich bin auch immer traurig, mich von einer Geschichte zu trennen, mit er ich so lange Zeit verbracht habe.

Was möchtest du deinen bereits vorhandenen Leser und natürlich auch den zukünftigen Lesern noch mitteilen?

Eine ganz besondere Botschaft. Hunde können einfach toll sein.

All meine Schreibideen und Hänger beim Schreiben diskutiere ich mit meiner Muse, meiner Bernhardinerhündin Paula, auf langen Spaziergängen. Immer wieder freue ich mich über ihre gewitzten Kommentare. Deshalb gibt es in meinen Romanen auch immer wieder einen Hund als Nebenfigur, der als kluge und sehr spritzige Nebenfigur agiert und eine der Hauptfiguren berät. In meinem aktuellen Roman „Wenn du mich endlich liebst“, bekommt der Protagonist Bardo immer wieder „Lack“ von seiner Riesendogge Tosca.

Tja, als Autorin bin ich total auf den Hund gekommen!

Ich habe gelesen: Wenn du mich endlich liebst… Wer war nicht schon einmal unglücklich verliebt? Ein aussichtsloser Kampf… so auch für Bardo, der schon sehr lange in seine Nachbarin Anna verliebt ist. Er ist immer für sie da, lässt alles stehen und liegen, wenn sie ihn braucht. Aber macht ihn das für sie auch nicht letztendlich zu selbstverständlich? Anna ist eigentlich eine kompetente Frau, aber dennoch verschließt sie die Augen vor dem Offensichtlichen. Ihr Mann hatte längst bemerkt, dass der Nachbar Bardo in sie verliebt ist. Und sie? Möchte sie es nicht sehen oder sieht sie es wirklich nicht?

„Schlimmer als blind sein ist nicht sehen wollen.“ -Wladimir Iljitsch Lenin-

Nachdem Kindstod ihres Babys gibt Anna ihrem Mann die Schuld und verlässt ihn, trotz dass sie erneut von ihm schwanger ist. Bardo sieht somit seine Chance und gesteht Anna seine Liebe. Er ist mehr denn je für sie da und übernimmt auch ein Stück weit die Vaterrolle für Anna ihre Tochter. Anna jedoch fühlt sich sehr eingeengt und erdrückt von Bardo seinen Liebesbeweisen und zieht mit der Kleinen in eine andere Stadt. Im Laufe der Story stellt sie sich dennoch immer mal wieder die Frage, ob er nicht doch der Richtige gewesen wäre.

Die Autorin hat die Geschehnisse gut rüber gebracht und dem Leser darf bewusst werden, dass man Liebe auch ersticken kann. Bardo gibt nicht auf. Er folgt Anna und nimmt zudem unter einem Pseudonym über eine Internetplattform Kontakt zu ihr auf. Sie lässt sich darauf ein und merkt nicht, wie sehr sie von ihm manipuliert wird.

Bardo ist kein schlechter Mensch und ein Stück weit kann ich sein Handeln nachempfinden. Er hält an seiner Liebe zu Anna fest und teilweise fühlte ich während des Lesens mit ihm. Dennoch geht er zu weit. Er beobachtet Anna, bringt sich heimlich weiterhin in ihr Leben ein, obwohl sie wegen ihm sogar die Stadt verlassen hat und manipuliert sowohl sie, als auch ihren neuen Partner Mario. Auch der Rückzug von Anna ist mehr als nachvollziehbar. Wer möchte schließlich bedrängt werden?

Zu viel möchte ich an dieser Stelle aber auch nicht verraten. Wenn man jedoch dahinter kommt, welche Ausmaße die Zuneigung des Gegenübers hatte und wie sehr man gestalkt wurde, kann man denn das noch verzeihen? Ist man dann noch fähig, diesen Menschen zu lieben? Ich denke, ich würde eher Abneigung oder gar Hass verspüren.

Fazit: Die Autorin hat mit ihrem Buch ein immer wiederkehrendes Thema der heutigen Gesellschaft aufgegriffen und hat es in ihrer Story ausgezeichnet umgesetzt. Ich fühlte mich sehr gut unterhalten und die Spannung ließ bis zum Schluss nicht nach. Allerdings hätte ich mich persönlich für ein anderes Ende entschieden. Nicht immer siegt die Liebe über die Vernunft.

Das Buch von Linne van Sythen: „Wenn du mich endlich liebst“ und das Bildmaterial für meine Rezension wurden mir kostenlos von der Autorin zur Verfügung gestellt.

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